Tod und Geburt aus der Sicht des Tibetischen Buddhismus

Die Zeugung:Karma im tibetischen Buddhismus Bei der Zeugung trifft das Bewusstsein auf die Materie. Im Bewußtsein sind Eindrücke vergangener Erfahrungen (Inkarnationen) gespeichert. Diese gespeicherten Erfahrungen bestimmen welche Energien uns bei der Zeugung anziehen, welche Eltern wir uns also wählen. Nach tibetischer Lehre verfügt die Eizelle über eine rote Energie, der Samen dagegen über eine weisse. Im Augenblick der Zeugung wird das Bewußtsein an die Materie “festgemacht” und bleibt bis zum Tod des Individuums bei ihr. Rote und weisse Energien der Eltern bleiben im Körper und spannen eine zweipolige “Energieachse” entlang der Wirbelsäule auf.

Der Sterbeprozess:
Beim Sterben ziehen sich die beiden getrennten Energien wieder aus dem Körper zurück und verbinden sich. Gleichzeitig werden die Sinneseindrücke immer schwächer und die Kontrolle über den materiellen Körper schwindet. Der tibetische Buddhismus verfügt hier über ein sehr genau ausgearbeitetes Wissen über die einzelnen Prozesse, die im Körper hierbei ablaufen. Lamas und andere Personen, die sich auf den Sterbeprozess intensiv vorbereitet haben, können diese Phase sehr genau erleben und können sehr großen Nutzen aus der Beherrschung des Prozesses ziehen. Sie erleben in dieser Zeit Erleuchtung und können bewußt die nächste Wiedergeburt anstreben. Nach einem Zwischestadium von 49 Tagen inkarnieren sie – aus Mitgefühl mit der Welt – wieder in einen materiellen Körper.

Unbewußte Menschen können allerdings diesen Prozess nicht erleben geschweige denn steuern und werden stattdessen ohnmächtig. Nach ihrem Tod wissen sie zunächst gar nicht, dass sie gestorben sind und entdecken diese Tatsacher erst später. Sie werden daraufhin erneut ohnmächtig und fallen “passiv” in den Kreislauf von Tod und Wiedergeburt. Aufgrund ihrer Erlebnisse der letzten Inkarnationen wählen sie – unbewusst – Eltern, die es ihnen ermöglichen die vergangenen Erlebnisse erneut – in einem anderen Körper – zu erleben. Dieses “Spiel” geht so lange, bis die einzelnen Erlebnisse abgearbeitet sind und kein Bedarf an einem neuen Durchleben des selben Inhalts besteht.

Foto: Christian Cuvelier / Fotolia.com