Der tibetische Buddhismus ist eine der Religionen, die sehr genaue Vorstellungen über den Sterbeprozess, das “Leben” nach dem Tod und die darauf folgende(n) Wiedergeburt(en) haben. Im Folgenden eine Einführung in die Überlegungen der Tibeter:

Im Buddhismus ganz allgemein, und vor allem auch im tibetischen Buddhismus, gibt es ziemlich genaue Vorstellungen über den Tod und die Reinkarnation. Während andere Lehren zwar die Möglichkeit der Wiedergeburt anerkennen, aber kaum über theoretisches Wissen über die größeren Zusammenhänge verfügen, sind Vertreter dieser buddhistischen Richtung sogar befähigt den Prozess der Wiedergeburt bewußt zu steuern. So soll z. b. der Dalai Lama ebenso wie andere Lamas auch nach einer Zwischenphase von exakt 49 Tagen wieder in die materielle Welt zurückkehren um dort in der selben Funktion, aber mit einem anderen Körper wieder tätig zu werden. Die Methode, die die tibetischen Lamas dabei einsetzen, wir die “Phowa-Meditation” genannt. Um sie richtig zu beherrschen muss man allerdings das übliche “europäische” Verständnis über Geist und Körper beiseite stellen und zur Gänze in die buddhistische Lehre eintauchen.
Die wesentliche Frage, die den Unterschied zwischen Ost und West ausmachen, ist die Frage, wer oder was denn eigentlich reinkarnieren? Denn der westliche Standpunkt, nach dem es das Gehirn ist, das das Bewußtsein erschafft, ist für die folgenden Überlegungen nicht wirklich brauchbar. Denn nach buddhistischer Lehre ist es umgekehrt: Das Bewußtsein ist es, das sich des Gehirns bedient, um in der materiellen Welt tätig werden zu können. Das was wir in Europa die “Alltagsrealität” nennen, ist demzufolge lediglich eine Illusion, die dadurch entsteht, dass wir uns mit den Erlebnissen des Bewußtseins befassen und nicht mit dem Bewußtsein selbst. Als Vergleich hierzu bietet sich der Spiegel an: Auch er täuscht eine Realität vor. Dennoch ist der Spiegel nicht die Wirklichkeit.
An den beiden Eckpunkten an denen sich die “materielle Welt” und die “geistige Welt” berühren – bei Zeugung und Tod – findet dann der Übertritt zwischen den Sphären statt.
Aus der buddhistischen Sicht sind daher auch die vielen Aktivitäten, die in der westlichen Esoterik gerne praktiziert werden nicht mehr als eine weitere Schicht von Illusionen, die im schlimmsten Fall weitere karmische Verwirrungen verursachen können. Egal ob es sich Partnerrückführung, Reinkarnationstherapie oder Energiearbeit handelt: “Echte Buddhisten” lässt dieser Budenzauber wohl eher kalt. Denn auch wenn man 100 Seminare bucht um den “richtigen Seelenpartner” zu finden, wöchentlich zum Astrologen läuft um die einzige wahre und große Liebe (die echte Partnerin!) zu finden und dann am Ende – wenn die Liebesbeziehung dann doch gescheitert ist – versucht den Expartner in magischen Ritualen wieder für sich zu gewinnen: Alle diese Aktivitäten sind aus buddhistischer Sicht nicht mehr als Illusionen. Religion ist eben mehr als “die Ex zurück holen!”
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