Karma in der westlichen Esoterik

Die westliche Esoterik ist im Grunde eine Sammlung von vielen religiösen und spirituellen Versatzstücken, die zu einer neuen Einheit zusammengefaßt werden. Dabei werden Elemente fernöstlicher Religionen (Buddhismus, Hinduismus) mit Ausschnitten aus der christlichen Glaubenslehre, dem Sufismus und Naturreligionen bzw. dem Schamanismus verbunden. Obwohl die westliche Esoterik sehr viele unterschiedliche Richtungen kennt, gibt es doch einige wesentliche Elemente, die von fast allen Esoterikern akzeptiert werden. Eines dieser Elemente ist der Glaube an die Wiedergeburt und das Karma, das man in seiner irdischen Existenz angehäuft hat um es in einem anderen Leben wieder abzubauen. Grundsätzlich hat die Lehre vom Karma aber eigentlich mit esoterischen Praktiken der westlichen Welt wie z.B. Partnerrückfuehrung eher wenig zu tun.

Der grundsätzliche Unterschied zwischen fernöstlichen Reinkarnationstheorien und modernen, westlichen Ansätzen ist der, dass in den großen Weltreligionen, die an das Konzept der Reinkarnation glauben, der Karmabegriff in eine lange und jahrtausendealte Tradition von spirituellen und weltanschaulichen Philosophien eingebettet ist. Im Westen ist der Karmabegriff dagegen neu “importiert” und wird als Versatzstück innerhalb eines spirituellen Baukastens verwendet: Jeder nimmt sich aus allen Religionen der Welt diejenigen Begriffe und Theorien heraus, die gerade in sein Weltbild passen und erklärt sich damit – in einer so zu sagen selbstgebastelten Religion – die Welt.

Schlimm? Nun ja, auch das Christentum ist im Grunde genommen eine Baukastenreligion, die – neben den Worten Jesu (so sie überhaupt korrekt überliefert sind) auch jüdische, christliche und römische Einflüsse massiv integriert hat. Wer also über die aktuelle Esoterik schimpft, der muss sich auch erst ein Mal ein wenig in der Geschichte umsehen, bevor er sich ein endgültiges Urteil erlaubt.